Warum ich mache was ich mache. Teil 1: Intuitives Singen

Ich bin - Zeichnung

 

 

 

In diesem Blog erzähle ich, wie ich selbst zum Intuitiven Singen, dem Singen aus der Seele, kam und was es mir bedeutet.

Komplizierte Familienverhältnisse sind ja keine Seltenheit und fast nicht erwähnenswert, aber dass ich zusätzlich noch in eine sektenähnliche Gemeinschaft hineingeboren wurde machte mir die ersten Lebensjahre nicht gerade leichter. Schon früh wurde das Singen für mich eine Art Zufluchtsort. Auch wenn es sich dabei zunächst um einen Chor der Gemeinde handelte, so wurde hier doch meine Stimme gehört, die sonst eher wenig Aufmerksamkeit bekam. Neben dem Lesen, dem Malen und der vielen Zeit, die ich auf dem Bauernhof, im Freien und mit Tieren verbrachte, war das Singen eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen ich mich wirklich frei fühlte. Nach vielen Umwegen kam es so dann irgendwann dazu, dass ich nach einem Gesangstudium den Gesang zu meinem Beruf machte.

 

Bald wurde mir klar, dass für mich jedoch nicht die Auftritte das Wichtigste waren. Wenn man "Musiker-sein" zum Beruf macht kommt man oft nicht darum herum, Dinge zu tun (in meinem Fall zu singen), die einem nicht entsprechen, denn man braucht ja doch auch etwas Geld J. Sehr oft wurde ich von Projektleitern zum Beispiel dazu aufgefordert „dreckiger“ zu singen, oder jedenfalls anders, als es meine Natur war. Das hat mich sehr verletzt, mir wurde erst viel später klar, wie sehr. Denn hier ging es um meine Stimme, den Ausdruck meiner selbst, meinen frühen Zufluchtsort. Inzwischen weiß ich, dass viele Sänger unter so etwas leiden.

 

Für mich war meine klare Stimme ein Symbol für den unverletzbaren Kern meiner Seele, den niemand von außen je zerstören kann und dem auch die Jahre im Sektenumfeld und in schwierigen Familienverhältnissen nichts anhaben konnten. Ich wollte nicht anders singen, denn für mich war es eine große Errungenschaft, so zu singen und zu sein, wie ich war.

 

Nach und nach wandte ich mich vom Singen mit Bands und in Studios ab und beschäftigte mich vor allem mit dem Unterrichten und der Chorleitung. Ich verdanke dieser Zeit sehr viel. Der Gesangunterricht ist eine sehr intime Angelegenheit. Es geht nicht nur um die Stimme. Es geht vielen Menschen so, wie es mir ging, denn die Stimme ist so eng mit der Person verbunden. Ich schreibe dazu mehr in der Kategorie Intuitives Singen. Mit vielen Schülern hatte ich eine sehr innige Beziehung und sehr oft kamen im Unterricht auch Dinge zur Sprache, die oberflächlich betrachtet nichts mit dem Singen zu tun hatten.

 

Das Singen ist etwas, das vom Inneren ins Äußere geht. Dabei wird oft etwas anderes mit nach außen getragen, das im Inneren verschlossen war.

 

Auch durch die Schwingungen der Klänge, die auf die Schwingungen der Atome unseres Körpers, der Schleimhäute, einwirken, kommt vieles in Bewegung und wird gelöst.

 

In dieser Zeit lernte ich auch das Tönen kennen, in einem Seminar bei Ursula Greven, die auch Sängerin ist und bei der ich mich zum ersten Mal verstanden fühlte. Dieses Erlebnis hat mich tief berührt. Ich vergesse nie, dass ich auf dem Heimweg nach dem ersten Wochenende, zunächst ganz unbewusst, vor mich hin tönte: ich bin die ich bin die ich bin die ich bin… Ich hatte das Gefühl, mir selbst auf die Spur gekommen zu sein. Endlich durfte meine Stimme so klingen, wie es mir entsprach.

 

Nun möchte ich das Intuitive Singen gerne mit anderen teilen und sie dabei begleiten, durch ihre Stimme sich selbst zu entdecken.

 

"Wenn einer aus seiner Seele singt,
heilt er zugleich seine innere Welt.

Wenn alle aus ihrer Seele singen und eins sind in der Musik,
heilen sie zugleich auch die äußere Welt."

Lord Yehudi Menuhin

 

Diesen Text verfaßte Yehudi Menuhin als Schirmherr von Il canto del mondo (www.il-canto-del-mondo.de). Sie können ihn hier in voller Länge lesen.

 

In meinen Blogs gilt: alles was ich hier schreibe, schreibe ich über mich, aus meinem Erfahrungshorizont. Ich betrachte es nicht als allgemeingültige Wahrheit. Und ihr müsst das auch nicht tun J

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